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Psychodynamik – Wenn der Körper Geschichten erzählt


In meiner Arbeit begegne ich immer wieder Menschen, die seit Jahren unter Beschwerden leiden, obwohl medizinisch bereits vieles versucht wurde. Manchmal lohnt es sich, nicht nur den Körper zu betrachten, sondern auch die Geschichte, die ein Mensch mit sich trägt.

Vor einiger Zeit kam eine Kundin Anfang 60 zu mir. Sie erzählte mir, dass sie seit vielen Jahren unter starken Schmerzen in der rechten Schulter litt. Sie war bei Ärzten, in Physiotherapie, bekam Cortisonspritzen – doch nichts brachte eine dauerhafte Verbesserung. Die Schmerzen kamen immer wieder.

Im Gespräch fragte ich sie, ob es in ihrem Leben vielleicht eine Situation gegeben habe, in der sie sich nie wehren konnte. Ob es jemanden gab, gegen den sie sich gerne verteidigt oder ihrer Wut Ausdruck verliehen hätte.

Zunächst verneinte sie meine Frage. Doch nach einer Weile wurde sie still. Dann erinnerte sie sich an ihre Kindheit.

Sie erzählte mir, dass ihr Vater sie regelmäßig geschlagen hatte. Sie musste sogar selbst den Teppichklopfer holen, mit dem er sie anschließend verprügelte. Ein Erlebnis, das sie jahrzehntelang tief in sich getragen hatte.

Aus meiner Sicht hinterlassen solche Erfahrungen nicht nur seelische Spuren. Sie können sich auch in unserem Körper ausdrücken. Deshalb erklärte ich ihr eine Übung, mit der sie sich bewusst mit diesem belastenden Erlebnis auseinandersetzen und die damals unterdrückten Gefühle nach und nach verarbeiten konnte.

Sie führte diese Übung über mehrere Wochen regelmäßig durch.

Einige Zeit später erhielt ich eine Nachricht von ihr. Sie schrieb mir, dass ihre Schulterschmerzen deutlich nachgelassen hätten. Sie benötigte keine Cortisonspritzen mehr und musste auch keine Schmerztabletten mehr einnehmen. Gelegentlich spüre sie die Schulter noch, aber längst nicht mehr in der Intensität wie früher.

Für sie war das eine große Erleichterung – und sie bedankte sich von Herzen.

Diese Erfahrung hat mich einmal mehr darin bestärkt, wie eng Körper und Psyche miteinander verbunden sein können. Nicht jede körperliche Beschwerde hat ihre Ursache in unverarbeiteten Erlebnissen, und selbstverständlich sollten Schmerzen immer medizinisch abgeklärt werden. Gleichzeitig erlebe ich in meiner Arbeit immer wieder, dass sich ein Blick auf die eigene Lebensgeschichte lohnen kann. Denn manchmal beginnt Heilung genau dort, wo wir bereit sind, hinzusehen.

Unser Körper vergisst oft nichts. Manchmal wartet er nur darauf, dass wir ihm endlich zuhören.

 
 
 

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